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26. Februar 2012 - VON DER INSELSCHIZOPHRENIE

Letzte Woche genoss ich das Privileg, für eine Woche in die Heimat zurückzukehren. Dort hatte sich nicht viel getan,außer,dass alle meine Freunde (egal,ob sie sich kennen oder nicht) jetzt eine intensive Vorliebe für Dubstep zu teilen scheinen... J habe ich selbstverständlich auch des öfteren gesehen,aber ich muss gestehen,ich war etwas unterkühlt,denn ich hatte eine lebhafte Antipathie gegen seine Berührungen entwickelt. Nun ist das in einer mehrjährigen Beziehung natürlich keineswegs normal und man möchte sich an dieser Stelle vielleicht fragen, ob es Gründe dafür gibt.

Die gibt es.

Da wir in unserer gemütlichen Behausung nicht nur dichten Fenstern sondern auch den Annehmlichkeiten des Internets entbehren, pilgere ich seit etwa drei Monaten regelmäßig zum Starbucks um die Ecke. Nach den ersten paar Besuchen fiel mir erstmals derjenige auf,der mir meinen koffeinfreien Karamel-Macchiato mit fettarmer Milch bis zur Perfektion zubereitete.Und er fiel mir durchaus sehr positiv auf. Nachdem man einige Male unverfänglich miteinander ins Gespräch gekommen war, kam mir der Gedanke, man könnte sich ja auch außerhalb eines Cafés treffen.

Natürlich musste eine Strategie her und die entwickelte ich mithilfe meiner Mitbewohner und meiner Mutter zu der Perfektion, mit der ich sonst meinen koffeinfreien Karamel-Macchiato mit fettarmer Milch serviert bekomme. Genauso führte ich sie auch durch, cool,distanziert und immer ein kleines bisschen charmant. Bis er mir nach einem kleinen Spaziergang erstmals versprach,sich bei mir zu melden,allerdings hätte er im Moment kein Telefon,weswegen ich ihm meine Nummer gebe solle.Er würde sich ein Telefon bei seinem Kumpel ausleihen,sich aber definitiv melden. Obwohl in der hinteren, vernünftigen und etwas erfahrenen Ecke meines Kopfes Alarmglocken zu schrillen begannen, stimmte ich zu. Natürlich passierte nicht allzu viel.

Ich war etwas enttäuscht und deprimiert und irgendwann bereit,den ganzen Spaß ad acta zu legen,bis ich eines abends wieder einmal ins Internet musste. Auf einmal saß er mir gegenüber,er hätte jetzt aus und ob ich Lust hätte,noch etwas mit ihm zu unternehmen. Ein Glas Wein in Little Venice zum Beispiel...? Ich stimmte zu,verfrachtete meinen PC nach Hause und wir machten uns auf den Weg. Stutzig wurde ich,als man mir eröffnete, die Flasche Wein müsse erst noch besorgen. Mir wurde klar, dass er in Little Venice wohnen musste und noch klarer wurde mir,worauf das Ganze hinauslaufen würde.

Wir gingen also zu ihm,nach einer gewissen Zeit kam auch eine halbwegs flüssige Unterhaltung zustande und irgendwann schauten wir einen Film, der natürlich auch nach spätestens zwei Stunden zu ende war. An sich fühlte ich mich in seiner Gegenwart ganz wohl.

Gegen etwa drei Uhr morgens schliefen wir dann zusammen,es war durchaus schön und der ganze Abend entbehrte auch nicht einer gewissen Magie. Am nächsten Tag bekam ich noch ein Muffin und eine Tasse Kaffee und anschließen begleitete er mich noch nach Hause (was alles schon mehr war,als ich erwartet hatte). Ich verbrachte das restliche Wochenende etwas aufgewühlt,doch völlig frei von schlechtem Gewissen und ich war und bin mir nicht sicher,was mich mehr verwirrte.

Jedenfalls fing das Versteckspiel danach wieder an,ich wurde gefragt,wann ich denn Zeit hätte und ich wurde gebeten,mich zu melden,erhielt aber entweder nur absolut unzureichende Antworten oder eben gar keine.

So auch dieses Wochenende. Ich hatte ihn sogar ANGERUFEN,weil ich an sich kein Problem damit habe,den ersten Schritt zu machen. Man verabredete sich für Samstag Nachmittag, doch die hintere,vernünftige und etwas erfahrene Ecke in meinem Hirn sagte mir,dass es dazu nie kommen würde. Und tatsächlich...Eine Stunde vor unserem anberaumten Treffen wurde mir mitgeteilt,er habe doch keine Zeit,er sei "really busy" (was ja wohl ein Großstadt-Symptom ist). Ich konnte mir nicht verkneifen,ihm zu schreiben "Hab ich mir schon gedacht!" . Ich löschte alle seine SMSen und seine Nummer. Das alles geschah im Bus nach Hause und man muss kein Genie sein,um zu erraten,wem ich auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause in die Arme lief. Ich wollte mich schon vorbeischleichen, doch er entdeckte mich natürlich und entschuldigte sich ganz lieb. Ich war wenig begeistert und erklärte ihm meine Verwirrung. Es sei für mich relativ ausgeschlossen gewesen,dass ich jemals wieder irgendetwas von ihm hören würde,darauf hätte ich mich eingestellt,da das schließlich ein Risiko sei,das ich eingegangen war. Er reagierte nicht sonderlich amused und meinte,er sei keiner von diesem Schlag (was sie ja alle nicht sind) und ich solle ihn doch nicht so anschauen,er habe im Moment einfach viel zu tun,denn er versuche,seine Musik irgendwie an den Mann zu bringen und das sei das Wichtigste für ihn. (Schon als ich das zum ersten Mal gehört hatte, hatte sich die gewisse Ecke in meinem Verstand gemeldet, denn Flausen dieser Art liegen auch in meiner Familie vor,sogar in meiner allernächsten Verwandschaft.) Aber auf jeden Fall wolle er Kontakt halten. Ich bin mir sicher, die Einwohner von Manchester wissen das nun auch,denn dieses  Gespräch lief nicht gerade leise ab,vor allem,nachdem ich ihm seine Ausreden aufgezählt hatte (mental issues,friends visiting unexpectedly,missing cellphone....).Er versprach,sich gleich am folgenden Tag (also heute) zu melden.

Nun ja,wir wissen ja,wie das läuft.

Eine letzte E-Mail konnte ich mir allerdings nicht verkneifen: "Having mental issues again...?"

 

Abschließend lässt sich wohl sagen,dass das Ganze ein Fehler war und ich diesen auch bereue,allerdings nicht aus schlechtem Gewissen,sondern weil ich so viel Zeit und so viel gute Strategien in jemanden investiert hatte,der allem Anschein nach schon überfordert mit sich selbst ist.

Außerdem wurde ich das Gefühl nicht los,dass mich diese Nacht nur noch mehr von J entfernt hatte und ich hatte eigentlich vorgehabt, aus besagtem Geist (siehe unten) wieder etwas Lebendiges zu machen. Das geht aber schlecht,wenn man sich von seinem Partner nicht einmal anfassen lassen möchte.Vielleicht,wenn ich es wirklich wirklich wirklich dauerhaft und ausdauernd versuche,denn das Gute ist,dass ich bei J keine Strategie mehr brauche und mir nicht ständig Gedanken über meine Coolness machen muss, die bei mir generell einfach nicht vorhanden ist.Lange Beziehungen haben eben doch etwas für sich. Das Festland-Ich hat das schon lange begriffen und das Insel-Ich erkennt allmählich auch,dass es irgendwie sinnvoller ist, bei jemandem zu bleiben, mit dem man nahezu alle Interessen teilt,denn SOWAS nochmal zu finden,wird sicherlich schwer.

Das Insel-Ich wird jedoch sicherlich immer auf der Suche sein,denn entweder treibt es ein unheimlicher Perfektionismus oder es hat noch nicht genug von dem ganzen Mist.

 

 

26.2.12 20:35
 


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